Warum der Windpark Miehlen/Hainau/Ruppertshofen ein Paradebeispiel für energiepolitischen Blindflug ist
Der von der wpd geplante Windpark in Miehlen/Hainau/Ruppertshofen (MIHARU) mit bis zu 10 Windkraftanlagen steht exemplarisch für einen energiepolitischen
Blindflug beim Ausbau der Windkraft und der EEG-Förderung, der dringend beendet werden muss. Wenn bereits der Projektierer wpd selbst von ungünstigen Windverhältnissen am vorgesehenen
Standort spricht, wird deutlich, wie stark das System verzerrt ist – mit der Folge, dass Stromkunden und Steuerzahler allein für dieses Projekt mit mehreren Hunderttausend Euro zur Kasse
gebeten werden.
Seit Jahren weisen wir darauf hin: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist in Deutschland eben nicht sauber mit Netzen, Speichern und gesicherter Leistung hinterlegt. Genau deshalb ist die
Linie von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche richtig. Der Zubau von Wind- und Solaranlagen muss an den Netzausbau angepasst werden; teure Abregelungen dürfen nicht länger der Normalfall
sein. In der Diskussion um das „Netzpaket“ geht es deshalb ausdrücklich darum, neue Fehlanreize beim Netzanschluss und bei Entschädigungen zu begrenzen.
Wer die Kosten ehrlich betrachtet, erkennt sofort das Ausmaß des Problems. Das Netzengpassmanagement (sog. Redispatch) kostete den Stromkunden in den
letzten 5 Jahren rund 16 Milliarden Euro, in 2025 zuletzt rund 3 Milliarden Euro. Das ist keine vorübergehende Delle, sondern eine dauerhafte Kostenkaskade. Schon diese eine Kostenposition
zeigt, was passiert, wenn wetterabhängige Stromerzeugung schneller wächst als die Infrastruktur, die sie aufnehmen und verteilen soll.
Dazu kommt die milliardenschwere EEG-Finanzierung. 2024 wurden rund 18,5 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt auf das EEG-Konto überwiesen. Für 2025 wurde ein Finanzierungsbedarf von rund
16,5 Milliarden Euro gezahlt. Wer also behauptet, Windkraft und Solarenergie stünden längst auf eigenen marktwirtschaftlichen Füßen, blendet einen zentralen Teil der Wirklichkeit aus.
Und die nächste Rechnung rollt bereits an: Für den ökostrombedingten Ausbau der
Übertragungsnetze die Übertragungsnetze nennt die Bundesnetzagentur Investitionen von etwa 290 Milliarden Euro bis 2037 und 360 bis 390 Milliarden Euro bis 2045. Die Kosten für den Ausbau der
Verteilnetze werden oft als ähnlich hoch oder teilweise sogar höher eingeschätzt als die der Übertragungsnetze. Berechnungen kommen hier auf ca. 323
bis 430 Milliarden Euro bis 2045. Allein bis 2033 werden für den Verteilnetzausbau Investitionen von ca. 110 Milliarden Euro prognostiziert. Wer den weiteren Windkraftausbau fordert,
ohne diese Summen mitzudenken, betreibt Politik im Blindflug. Denn die Rechnung zahlen am Ende nicht abstrakte „Systeme“, sondern Bürger, Unternehmen und der Industriestandort Deutschland.
Damit wird der Kern des Problems sichtbar: Gewinne werden privatisiert, Risiken und Folgekosten werden sozialisiert. Betreiber profitieren von privilegierten Anschluss- und
Förderbedingungen, während die Allgemeinheit für Netzengpässe, Reservekosten, Ausgleichsmechanismen und Netzausbau geradesteht. Genau dieses Ungleichgewicht muss beendet werden. Wer Strom
produziert, der wegen fehlender Netzkapazität nicht transportiert oder genutzt werden kann, darf nicht dauerhaft auf Kosten der Allgemeinheit entschädigt werden. Das ist keine Energiewende
mit Vernunft, sondern ein politisch geschütztes Fehlanreizsystem.
Für ländliche Räume wie im Rhein-Lahn-Kreis ist das von unmittelbarer Bedeutung. Vor Ort werden Landschaft, Naturraum und Lebensumfeld belastet, während die systemischen Probleme anderswo in
Statistiken verschwinden. Doch inzwischen sind die Zahlen zu groß, um sie noch wegzuerklären. Wer immer neue Windkraftanlagen plant, obwohl Netze hinterherhinken, Reservekraftwerke weiter
gebraucht werden und das Fördersystem Milliarden verschlingt, verschärft nicht die Lösung, sondern das Problem.
Deshalb ist unsere Position klar: Der weitere Ausbau der Windkraft muss gestoppt werden, solange Netzausbau, Speicher und gesicherte Leistung nicht Schritt halten. Die Subventionierung
über das EEG muss beendet werden. Und die Energiepolitik muss wieder das leisten, was ein Industrieland zuerst braucht: verlässliche Versorgung, bezahlbare Energie und wirtschaftliche
Vernunft.
IB 10.04.2026